Heimat kann Verbindlichkeit sein

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Interview mit Dagmar Ickert, Mitgestalterin und Netzwerkerin in und um Reichenbach

Wenn es um gemeinwohlorientierte Initiativen in und um Reichenbach geht, dann kommt man an Dagmar Ickert kaum vorbei. Sie ist auf vielfältige Weise Mitgestalterin und Netzwerkerin in ihrer Heimatregion.

Eine ihrer Herzensangelegenheiten ist die Belebung des Spritzenhäuschens in ihrem Heimatort Niederreichenbach. Als dieses 2013 abgerissen werden sollte, war sie Mitakteurin im Kampf um die Erhaltung des Gebäudes, das in früheren Zeiten als Feuerwehrstandort in Niederreichenbach diente. Nach unerschöpflichen Bemühungen konnte der Abriss verhindert und das Gebäude als Treffpunkt in der Dorfmitte erhalten werden. 2015 wurde der Verein „Spritzenhaus Niederreichenbach“ gegründet. Regelmäßig finden vor Ort kulturelle Ereignisse wie das Flenntippelschnitzen oder der Tag des offenen Denkmals statt.

Nachhaltigkeit ist grundsätzlich ein wichtiges Thema für Dagmar. Dies zeigt sich nicht nur durch ihre Teilhabe an Initiativen wie der Görlitzer Marktschwärmerei, bei der der Fokus auf dem achtsamen Verkauf regionaler Produkte liegt. Auch in Bezug auf die Nutzung des Spritzenhäuschens ergibt sich ein bewusster Umgang mit Ressourcen automatisch. Weder Heizungs- noch Wasseranschlüsse sind vorhanden. Somit finden die Veranstaltungen mit minimalistischen Möglichkeiten und kreativen Alternativen statt. 

Mit Begeisterung in der Stimme legt sie nahe, dass es darum geht, unter welchen Umständen man Menschen zusammenführt und wie schön es ist, generationsübergreifend kreativ zu werden, sich mit der Geschichte der Region auseinander zu setzen und den ländlichen Raum wiederzubeleben. Die Devise ist: Die Umgebung aktiv gestalten. 

Dagmar meint: „Heimat kann Verbindlichkeit sein“. Wenn Menschen teilhaben an der Gestaltung der eigenen Umgebung, dann entsteht Verbindung. Es kann Früchte tragen, indem künftige Generationen gerne bleiben oder zurückkommen und Einfluss nehmen wollen. Im Zuge der Zusammenkünfte können die Bewohner:innen sensibilisiert werden für nachhaltige Themen. „Sowas ergibt sich“.

 

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 Foto: privat

Wie könnte man die Region aus Dagmars Sicht attraktiver für junge Frauen machen? Sie betont, dass es vonnöten ist, auf die Bedürfnisse der jungen Menschen einzugehen, zudem Toleranz vorzuleben und von anderen einzufordern. Es bedarf weiterhin der Vereinfachung von Strukturen. Es gibt Hindernisse in der Kommunalpolitik, von denen man sich nicht abschrecken lassen darf. Sie rät, bei einer vorhandenen Idee in die Aktivität zu kommen. „Es wird manchmal zu lange drauf rumgeredet, zu viel diskutiert“. Unkonstruktives Debattieren versus Ins schaffen kommen. Sich vernetzen und einander beraten hilft.

Ihr Appell an jüngere Generationen: Trotz aller scheinbarer Möglichkeiten sollten sie Verbindlichkeit zeigen sowie sich selbst reflektieren. Sie sollten denen, die diesen Wandel noch nicht im Blick haben, nichts überstülpen, sondern sie vielmehr behutsam an die gesellschaftlichen Veränderungen gewöhnen.

Zukünftig darf es so weitergehen wie bisher. Dagmar steht ein für niedrige Hierarchien in den Vereinsstrukturen und möchte dies weiterhin leben. Sie blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir sind gut aufgestellt“.

 

 

ISABELLE FOBO...

... hat Dagmar Ickert für uns interviewt. Sie wurde 1994 in Hoyerswerda geboren und ist im Landkreis Görlitz aufgewachsen. Sie ist Sozialarbeiterin(B.A.) und Musicaldarstellerin und befasst sich im Rahmen ihres Schaffens unter anderem mit Familienbildung, sozialer Gerechtigkeit und Frauen-Empowerment.

DAS THEMA FRAUEN UND NACHHALTIGKEIT...

... hat Franzi Stölzel für uns angestoßen. Sie hat für F wie Kraft den Eku-Nachhaltigkeitspreis gewonnen und somit diese Beitragsserie angestoßen. Lest hier weiter, was Franzi Stölzel über Frauen und Nachhaltigkeit schreibt und seid gespannt auf ein weiteres tolles Porträt über eine nachhaltig aktive Lausitzerin!

Interessant dazu ist auch die Studie "Zur (Daten-) Lage von Frauen im Strukturwandel der Lausitz", durchgeführt vom TRAWOS-Institut der Hochschule Zittau/Görlitz. Dort werden die Zusammenhänge zwischen Frauen, der sozialökologischen Transformation und dem regionalen Strukturwandel beleuchtet. Hier geht's zur Studie.

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